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Predigt in der Volksmission Wien
Beauftragt, zu handeln Gleichnis von den anvertrauten Pfunden
Was täten Sie mit einer Million? Stellen Sie sich vor, eine bekannte Persönlichkeit (Essl, Wlaschek, etc.) würde Sie zu sich rufen lassen. Sie kommen hin und es würde Ihnen eröffnet:: „Ich habe momentan dringende Geschäfte, mein Konzern ist ohnehin schon so groß, daß ich mich nicht um alles kümmern kann. Da haben Sie eine Million Schilling.
Schauen Sie zu, daß Sie mit dem Geld etwas ordentliches anfangen!“ Eine Million - was würden Sie tun? Baumax-Aktien kaufen? In eine aufstrebende Firma im E-Commerce-Bereich investieren, z.B. die Firma Proserve? Immobilien, Anleiben, Fonds, Versicherungen - Möglichkeiten gäbe es in Hülle und Fülle. Es würden sich auch sofort genügend Leute finden, die Ihnen gute Ratschläge anbieten, wie Sie Ihr Geld am gewinnträchtigsten und gleichzeitig bombensicher anlegen können. Allerdings - das Risiko ist ja nicht ohne: Inflation, Konjunktur, Währungsschwankungen (siehe Euro-Verfall), Börsencrash, Anlagebetrug, und und und. Sie würden auf einmal feststellen: Da kommt ja eine Fülle von Entscheidungen auf mich zu, da tauchen ja Probleme und Sorgen auf, von denen ich vorher gar keine Ahnung hatte. Und nicht zuletzt ist da der Erwartungsdruck, etwas ordentliches mit dem Geld anzufangen, dem Auftrag Genüge zu tun, der Ihnen da so unerwartet gestellt wurde. In Matth. 25 lesen wir so eine Geschichte von Leuten, die unverhofft zu viel Geld kamen und die vor genau diesem Problem standen.
Predigttext (Matth. 25, 14 - 30) lesen nach Hoffnung für alle.
In älteren Bibelübersetzungen ist diese Stelle mit „Gleichnis von den anvertrauten Pfunden" oder „anvertrauten Zentnern" überschrieben. Für mich klingt das ein bisschen nach Weighwatchern oder nach Zweizentnerdame. Mir gefällt die Überschrift aus „Hoffnung für alle" hier besser: „Beauftragt, zu handeln“. Das soll auch das heutige Predigtthema sein.
Beauftragt, zu handeln - worum geht es hier eigentlich? Wer gibt hier wem einen Auftrag und worin besteht der? Wenn wir uns den Sinn dieses Gleichnisses, also dieser Beispielsgeschichte näher anschauen wollen, ist es hilfreich, das Drumherum der Stelle zu betrachten. Von wem handelt die Geschichte, wer erzählt sie, und was ist der Zusammenhang?
Man muss hier wohl nicht lange suchen und nachdenken, um zu erkennen, dass Jesus seinen Jüngern dieses Gleichnis erzählt. Wir finden viele solche Gleichnisse in den Evangelien, weil Jesus diese Literaturform der Parabel, also der Beispielsgeschichte gerne nutzte, um entscheidende Wahrheiten an seine Zuhörer weiterzugehen. Das war zum einen damals nicht unüblich und zum anderen war es einprägsam und ging den Zuhörern unter die Haut. Das ist verständlich. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und das, was in einer Predigt am meisten hängenbleibt, ist die Beispielsgeschichte. (Wie das ist, wenn die Predigt das Gleichnis selbst zum Gegenstand hat, weiß ich nicht, das müssen Sie dann beurteilen.)
Wenn aber Jesus nun diese Form benutzt, steckt bei ihm mehr dahinter als bei seinen Zeitgenossen, die zumeist Weisheiten oder moralische Aspekte weitergeben wollten. Wenn Jesus ein Gleichnis erzählt, dann spricht er von den Dingen, die ihm am nächsten sind. Man könnte sagen, er ist hier bei seiner Kernkompetenz. In seinen Gleichnissen geht es immer um Gott, und um sein Reich. Es ist wirksam wie ein Senfkorn oder ein Sauerteig, es ist kostbar, wie ein Schatz, den man auf seinem Grund freilegt, oder wie eine Perle, die man am Flohmarkt findet. Das wollte Jesus seinen Zuhörern verständlich machen und einprägen. Seine engsten Jünger, die immer mit ihm zogen, musste Jesus auch mehr oder weniger schonend darauf vorbereiten, dass sich sein Wirken auf der Erde langsam dem Ende zuneigte. Und er musste ihnen klarmachen, dass damit nicht alles aus war, sondern dass Gottes Reich auch nach seinem Tod weitergehen und irgendwann sogar auf der Erde für alte sichtbar aufgerichtet würde. In diesem Zusammenhang steht unser Gleichnis. Jesus spricht mehrere Male in verschiedenen Bildern darüber, dass nach seinem Tod die Jünger stellvertretend für ihn tätig sein würden. Gleichzeitig kündigt er seine Wiederkunft an, die sehr überraschend sein wird und fordert seine Jünger auf, wachsam und vorbereitet zu sein (Jungfrauen + Hochzeit). In unserem Text geht es aber um keine Hochzeit, sondern um das harte Arbeitsleben.
Beauftragt, zu handeln. Damit sind wir beim ersten wichtigen Teil der Aussage dieses Gleichnisses, dem Auftrag. Beauftragt - Gott gibt den Auftrag. Im Beispiel beauftragt der Mann (also der Konzernleiter Essl) seine Verwalter, eine Zeit lang mit seinem Vermögen zu arbeiten. In der Parallelstelle im Lukasevangelium heißt es: „Handelt, bis ich wiederkomme“. Gott gibt seinen Jüngern einen klaren Auftrag. Man kann diesen Satz auch in eine direkte Aussage umformulieren: Du bist beauftragt, ich bin beauftragt. Wir sind beauftragt.
Nur: was ist Dein Auftrag? Hast Du einen konkreten Auftrag? Was könnte das sein? Wir haben in der letzten Predigt von Barbara sehr konkrete Beispiele gehört. Wer erinnert sich noch? Es ging darum, dass wir Salz für Gott sind und als Licht in der Welt leuchten (sollen). Als Volksmission haben wir das in einem Satz formuliert, der jeden Monat auf der Titelseite unseres Gottesdienstheftes steht „Wir wollen die von uns durch Jesus Christus erlebte Liebe Gottes weitergeben“.
Ein klarer Auftrag; nur: wie sieht es mit der Umsetzung in Deinem, in unserem Leben aus? Mich hat das Beispiel vom Nachbarn in Barbaras Predigt angesprochen, für den wir Licht sein sollen und dem wir die von Gott erlebte Liebe weitergeben sollen. Mit den meisten Nachbarn habe ich da kein Problem. Unser linker Nachbar ist sehr angenehm, weil er fast nie da ist. Die Nachbarin rechts ist sehr nett und kümmert sich um unsere Wohnung, wenn wir einmal verreist sind. Außerdem hat sie mir letztens aus einer etwas dummen Situation geholfen. Auch die Leute schräg unten sind sehr nett und haben außerdem ein Kind in Thomas' Alter. Aber die über uns - da ist der Ofen aus. Sie haben nämlich die Angewohnheit ihre Balkonblumen so zu gießen, dass unser Balkon unter Wasser gesetzt wird. Höfliche Beschwerden haben bisher nichts gebracht, noch dazu hat mich der Nachbar beim zweiten mal ziemlich beschimpft, aber ich war ruhig und freundlich und habe mich nicht provozieren lassen. Insgeheim habe ich mich aber mächtig geärgert und beschlossen, ihn zumindest nicht mehr zu grüßen. Als aber letztens wieder alles klatschnass war, war es dann doch zuviel. Das konnte ich mir nicht bieten lassen. Wütend ging ich hinauf. An der Tür klärte sich dann auf, dass die Leute auf Urlaub waren und die Hausmeisterin um sicherzugehen die Wassermenge für die ganze Woche in die Blumenkästen hineingeschüttet haben musste. Sofort war ich freundlich, doch als ich zurückkam, merkte meine Frau an, ich wäre noch blass vor Ärger im Gesicht.
Gott will, dass ich für den Nachbarn bete, statt mich über ihn aufzuregen, oder böse Sachen über ihn zu denken. Licht der Welt sein, Liebe Gottes weitergeben. Es ist ganz wichtig, dass wir diese allgemeine Aussage konkret in unser Leben umsetzen, sozusagen an konkreten Personen festmachen. Wir dürfen Gott bitten, uns die konkrete Umsetzung seines Auftrags zu zeigen. Wem soll ich mit Liebe gegenübertreten, auch wenn nichts zurückkommt? Wo soll ich konkret für jemanden etwas Liebes tun? Das kann auch durchaus in der eigenen Gemeinde sein. Wo möchte Gott, dass Du Dich um jemanden kümmerst, um ihm Liebe zu zeigen? Das kann ein „ich denke an Dich“ sein, ein „ich bete für Dich“ oder auch praktische Hilfe (Roswitha - Kinder). Kurz nachdem ich diesen Punkt geschrieben hatte, führte ich mit jemandem ein Gespräch, der mir sagte: „Eigentlich hat schon längere Zeit niemand mehr gefragt „Wie geht es Euch eigentlich?“
Das hat mir zu denken gegeben. Mir fällt es nicht so schwer, an andere in dieser Hinsicht zu denken, wenn ich ausgeruht bin, zum Beispiel am Sonntagabend, oder im Urlaub. Das Leben besteht nur leider nicht nur aus Sonntagabend oder aus Urlaub. Wenn ich unter der Woche um sieben, oft aber viel später nach Hause komme, bin ich nicht in der Lage dazu. Meine Erfahrung ist, dass ich mich dann selten bis nie um Gottes konkreten Auftrag an mich kümmere, sondern nur sehe, worüber ich mich im Laufe des Tages ärgern musste und was noch alles zu tun ist. Gott gibt einen klaren Auftrag. Bitte Gott, Dir die nächste konkrete Umsetzung zu zeigen, oder sprich mit anderen darüber. Beauftragt zu handeln.
Bevor wir zum zweiten Teil der Kernaussage dem „Handeln“ kommen, möchte ich den Auftrag noch um einen wesentlichen Punkt ergänzen. Gott gibt nicht nur den Auftrag, er gibt auch das nötige Kapital dazu. Im Gleichnis lesen wir, wie der Mann seinen Verwaltern Goldstücke gibt, um damit zu arbeiten. In anderen Übersetzungen ist von Zentnern, bzw. von Pfunden die Rede. Ich habe ein bisschen nachgeschlagen und versucht, die Summe mit unseren heutigen Maßstäben zu messen. Rein vom Wert des Geldes müsste ein Goldstück einige Hunderttausend Schilling wert sein. Wenn man es in Bezug zum damaligen Durchschnittsverdienst setzt, dürfte der Wert noch wesentlich höher liegen. In jedem Fall war es eine große Menge Geld, die der Mann in diesem Gleichnis verteilte. Gott gibt seinen Mitarbeitern Kapital. Die meisten von uns werden jetzt im Geiste ihr Bankkonto sehen und sagen: „wir sind zwar eine typische Großstadtgemeinde, wo es den Leuten eigentlich ganz gut geht, aber ein Millionenvermögen besitze ich nicht.“ Jesus kann mit seinem Gleichnis nicht ausschließlich Geld- und Finanzvermögen gemeint haben, sonst hätten wir ja alle mehr davon. In einer wörtlichen Übersetzung ist hier von „Talenten“ die Rede. In einer Auslegung fand ich folgendes Zitat: „Mit Talent ist all das gemeint, was wir von Gott an natürlichen und übernatürlichen Gaben geschenkt bekommen haben.“ Da kommt schon allerhand zusammen: Besitz, Familie, Gesundheit, Intelligenz, Ausbildung, Beruf, sozialer und politischer Friede. Ich hoffe, Sie stimmen mir zu, dass es den meisten von uns in dieser Hinsicht nicht schlecht geht. Als Wiener, als Österreicher, als EU-Bürger haben wir da einiges an Startkapital erhalten.
Als Christen haben wir aber noch mehr erhalten. In 1.Kor.12,11 heißt es „ ..jeder empfängt die Gabe, die Gott ihm zugedacht hat.“ Hier geht es um die Geistesgaben, die jeder Christ besitzt. Zum Beispiel? Als wir uns vor einigen Jahren im D.I.E.N.S.T Programm über unsere Gaben Gedanken gemacht haben, haben wir mit folgender Definition gearbeitet: „Geistliche Gaben sind von Gott geschenkte Begabungen. Es sind Fähigkeiten, die Gott uns gegeben hat, damit wir unseren persönlichen Beitrag leisten können.“ Jeder Christ hat von Gott zumindest eine geistliche Gabe geschenkt bekommen. Kennst Du Deine Gaben, Deine Talente? Gott gibt also nicht nur den Auftrag, sondern auch das nötige Kapital dazu. Auftrag und Kapital hängen untrennbar zusammen. Die Verwalter werden beauftragt, mit dem Vermögen des Besitzers zu arbeiten. Die Gabe wird zur Aufgabe und offensichtlich waren die drei auch nicht ganz unbegabt. Hier steht nicht, dass der Besitzer an die Recken und Zäune ging und die ZöIlner und Landstreicher zusammengerufen hat, so wie es vor einigen Wochen im Gleichnis von der großen Einladung hieß. Der Besitzer gibt sein Vermögen nicht an irgendwelche Leute, sondern nur an solche, die er für geeignet und begabt hält. Sonst wären sie ja nicht bisher schon seine Verwalter gewesen.
Allerdings teilte er sein Vermögen (und damit die Aufgabe) nicht gleichmäßig auf. Von acht Goldstücken erhält der eine 5, der andere 2, der dritte überhaupt nur ein Goldstück. Einer hat also fast 2/3 erhalten, einer immerhin ein Viertel und der letzte eben nur ein Achtel des Vermögens. Der Grund für diesen Unterschied liegt in der unterschiedlichen Begabung der Drei. Vers 15: Der Besitzer teilt sein Vermögen entsprechend den Fähigkeiten, die er bei seinen Verwaltern voraussetzte, auf. Ist das nicht ungerecht? Einer erhält fünfmal soviel, wie der andere? Ich weiß nicht, wie es den Männern ging, als sie ihren Anteil in Empfang nahmen. Vielleicht waren sie froh, überhaupt etwas bekommen zu haben. Vielleicht empfand wirklich einer die Reihung als grob ungerecht, ohne zu erkennen, dass er selber zumindest über ein Vermögen von mehreren Hunderttausend verfügte.
Vorhin haben wir zusammengetragen, welche Gaben uns Gott geschenkt hat. Wie geht es Dir mit Deinem Anteil? Bist Du mit Deinem Talent zufrieden und Gott dafür dankbar, oder siehst Du nur, was Du nicht hast? Für mich wird es unerreichbar sein, so Klavier spielen zu können, wie Romy, oder so kreative Bastelarbeiten erdenken zu können, wie Barbara, Doris und viele andere. „Gott hat jedem von uns durch seinen heiligen Geist unterschiedliche Gaben geschenkt“ (Röm.12,6). Daher sind wir auch unterschiedlich beauftragt. Von einem wird viel, vom anderen weniger verlangt.
Die unterschiedliche Verteilung der Gaben ist nicht ungerecht. Gott verlangt nicht von jedem dasselbe und vor allem: er verlangt nichts, was über unsere Fähigkeiten hinaus geht. Ich muss keine Bastelrunden für Kinder halten (obwohl ich es während meiner Zeit als Jungscharleiter getan habe). Wissen, was unsere Gaben sind ist das eine. Letztlich kommt es aber darauf an, wie wir damit umgehen, und was wir daraus machen. Der Einsatz zählt. Damit bin ich beim zweiten Punkt angelangt. Gott erwartet unser konkretes Handeln.
Was tun die Drei? Schauen wir in die Bibel: Die beiden ersten Verwaltern haben eine recht reife Leistung hingelegt und ihr Vermögen verdoppelt. Aus fünf Goldstücken wurden zehn, und aus zwei Goldstücken wurden immerhin vier. Wie sie das taten, ist nicht Gegenstand des Gleichnisses. Entscheidend ist, daß sie etwas taten und ihr Kapital einsetzten. Ihr Tun brachte konkreten Nutzen. Jeder verdoppelt sein Vermögen. Aus den Millionen sind viele Millionen geworden. Dafür werden sie belohnt. Einsatz bringt Erfolg, und Gott belohnt die Erfolgreichen. Ist das auch unsere Erfahrung? Wir haben uns vorhin Gedanken gemacht, was unser konkreter Auftrag sein könnte, persönlich und als Gemeinde. Wo ist unser Erfolg? In der Predigt vom letzten Sonntag stellte Barbara die provokante Frage, wie das ist mit den 200 Leuten, die wöchentlich zum Gottesdienst in die VM kommen. Warum wachsen nicht alle Gemeinden so wie Willow Creek?
Mir ist die ehemalige Bibelschule Walzenhausen eingefallen. Wir kennen sie von unserer früheren Praktikanten Renate Glaser; auch meine Frau war für einige Wochen dort. Das Werk ist innerhalb weniger Jahre eingegangen, obwohl es tolle Pläne und großen Einsatz gab. Gott erwartet unser Handeln und unseren Einsatz. Es gibt aber keinen Automatismus zum Erfolg: Jesus möchte mit diesem Gleichnis kein christliches Leistungsdenken erzeugen. Er erwartet nur unseren Einsatz. In 1.Petrus 4,10 heißt es: „Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die Gott ihm gegeben hat. Wenn ihr die vielen Gaben Gottes in dieser Weise gebraucht, verwaltet ihr sie richtig.“ Die beiden ersten Verwalter waren gehorsam. Sie haben ihren Auftrag ernst genommen und danach gehandelt. Sie haben ihre Fähigkeiten (Talente) erfolgreich eingesetzt.
Was tat der dritte Verwalter? Im wesentlichen gar nichts. Er geht auf Nummer sicher und versteckt das Geld an einem sicheren Ort, weil er nichts riskieren will. Er hat nichts entwendet oder veruntreut. In einem anderen Gleichnis, dem Gleichnis von den bösen Weingärtnern, erzählte Jesus von Pächtern, die dem Besitzer des Weingartens unter keinen Umständen die Pacht zahlen wollten und eine Reihe von Leuten, darunter sogar den Sohn des Besitzers umbrachten, um sich den Weinberg selbst unter den Nagel reißen zu können. Das war hier nicht der Fall. Der Verwalter war korrekt und zweigte kein Scherflein von dem Geld für sich ab. Aber er tat auch nichts damit, und das war das Problem. Er hätte aus seinem Goldstück nicht fünf Goldstücke machen müssen. Er tat aber gar nichts. Er führte seinen Auftrag nicht aus. Er war misstrauisch und gegen seinen Herrn negativ eingestellt und hatte wahrscheinlich den Auftrag schon bei der Übernahme insgeheim abgelehnt. Damit war er als Verwalter eigentlich ungeeignet. Wie er seinerzeit zu dem Job kam, ist mir ohnehin nicht ganz klar. Von dem Geld hatte niemand etwas, weder er, noch die Bank, noch der Besitzer.
Das Gleichnis ist an dieser Stelle aber nicht zu Ende. Der Herr kommt zurück und fordert Rechenschaft. Vielleicht haben die Verwalter darauf gewartet, vielleicht haben sie nicht mehr damit gerechnet und vielleicht haben sie Oberhaupt darauf gehofft, dass der Besitzer nicht mehr kommen würde. Einer nach dem anderen wird hereingerufen und muss Bericht erstatten. Zwei kommen voller Stolz und haben das Vermögen verdoppelt. Der eine hat zwar viel mehr als der andere verdient, aber das ist egal. Es scheint ihnen auch nicht schwer zu fallen, das Kapital samt Gewinn zurückzugeben. Der Herr ist sehr erfreut und lobt sie. Hier müssen wir jetzt genau in den Text schauen. Wofür werden sie gelobt? „Du warst tüchtig und zuverlässig“ sagt der Herr zu beiden. „Du bist in kleinen Dingen treu gewesen“. Nicht die Höhe des Gewinns zählt, die Treue ist entscheidend. Das soll der letzte Punkt sein: „Gott belohnt die Treue und nicht den Erfolg". „Du bist in kleinen Dingen treu gewesen" setzt er fort „darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen. Ich lade Dich zu meinem Fest ein.“ Erfolg beruht auf Gottes Segen, von uns werden Treue und Gehorsam erwartet.
Auch der dritte Verwalter muss Rechenschaft ablegen. Dafür, dass er nichts getan hat, tritt er ziemlich forsch auf, so nach dem Motto: „Angriff ist die beste Verteidigung“ Er macht seinem Herrn erst einmal Vorwürfe: „Du bist ein strenger Herr“ klagt er, „was ich verdiene nimmst du mir doch weg.“ Eigentlich ist das ein altbekanntes Muster. Um von den eigenen Fehlern abzulenken, greifen wir andere an. Tun wir das nicht auch Gott gegenüber manchmal so? „Du bist ungerecht“ klagen wir, „weil du mir dieses und jenes nicht gegeben hast, konnte ich nichts für dich tun.“ Der Herr lässt den Vorwurf nicht auf sich sitzen und zieht den Verwalter zur Verantwortung. Sein Ungehorsam und die Auflehnung gegen den Auftrag werden bestraft. Er verliert alles und wird verstoßen. „Wer mit Wenigem nachlässig umgeht, dem wird man auch das noch nehmen“, heißt es in Vers 29. Auch wir stehen in der Gefahr, unser Kapital für uns alleine zu behalten. Jesus macht mit diesem drastischen Bild deutlich, dass wir einmal Rechenschaft abzulegen haben, wie wir mit unserer Zeit, unserem Geld und unseren Begabungen umgegangen sind. Ungehorsam wird bestraft. Treue hingegen wird belohnt. Auch bei Gott gilt: wer sich bewährt, erhält immer größere Verantwortung übertragen.
Das Gleichnis ist damit zu Ende. An dieser Stelle saß ich gestern Nachmittag und versuchte mir einen einprägsamen Schluss einfallen zu lassen. Dabei sah ich aus dem Fenster. Dreimal dürfen Sie raten, was ich sah. Es schüttete, aber nur auf unserem Balkon. Ich kann nicht sagen, dass ich mich darüber freue. Höchstens darüber, dass unsere Blumen bei 35OC Außentemperatur eine zusätzliche Ration Wasser bekamen. Ich hoffe auch, dass sich da noch eine Lösung findet. Für mich persönlich ist das Wasser von oben aber jetzt mehr: ein Denkanstoß an Gottes Auftrag, seine Liebe weiterzugehen. Vielleicht musst Du Dir neu überlegen, was Dein Auftrag eigentlich ist (auch in der Volksmission). Vielleicht hast Du noch nie darüber nachgedacht, welche Gaben Gott Dir gegeben hat und brauchst vielleicht konkrete Hilfe in einem Gespräch. Vielleicht musst Du Dich aber erst einmal in Dein Versteck begeben, um die verborgenen Talente wieder ans Tageslicht zu holen.
Gott beauftragt Dich, zu handeln – wo sind Deine Millionen?
Amen
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